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Strinz-Margarethä Chronik

Kapitel

Die heimatliche Mundart

3 Abschnitte der Ortschronik.

Die heimatliche Mundart gehört zum nassauischen, d. h. fränkischen Sprachgebiet und wird von den alten Strinzer noch gesprochen.

Früher wurden ältere Personen mit "Ihr" angesprochen, das kommt heute nicht mehr vor.

Durch den Zuzug der vielen Neubürger nach dem 2. Weltkrieg, die andere Dialekte sprachen, droht die heimatliche Mundart nach und nach auszusterben.

Der alte strinzer Dialekt ist für Auswärtige teilweise schwer zu verstehen. Aus diesem

Grund habe ich dieses Wörterbuch angelegt. Versuchen Sie sich doch mal an der Aussprache.

Wörterbuch

A

aber
awwer
auch
aach
aufgestanden
uffgestiege

B

bis sie
bisse
blauer Fleck
blo Mol
Buben
Buwe
Bürgermeister
Scholles
aufgestanden
uffgestiege

D

da
do
auch
aach
dem
em
der
de
dir
Drahtkorb
Meensche

E

ein
en
Egge
Ije
eine
e
Erdbeeren
ebern
einmal
mol/gemol
Es war einmal
Selichmol

F

fahren/gefahren
fohrn
früh
frui
Friedhof
Käschhop
früher
fruirer

G

ganz nass
blutschernaß
gegen
werrre
geplündert
plünnert
getan
gedon
Genick
Ank
gefahren
fohre
geköpft
geköppt
gesagt
gesoat
geworfen
geworfe
gesehen
geseh

H

haben
hun
Hallo
Gude
hat
hot
hat es
hots
hauen
haache
herumgezogen
erem gezuge
hat er
horre
hatten
harre
heim
haam
herunter
nunner

I

ist
is

J

Jahr
Johr
Johannisbeeren
Hansgetraube

K

kam/ist gekommen
ku / kom
Kamerad
Spießgeselle
Kirsche
Käsch
Kuh
Kui
Kuhstall
Kuistall
Es war einmal
Selichmol

L

Lehrer
Lehre
lügen
lieje

M

Mainz
Meenz
mit dem
mer 'm
Mühle
Mille/Mill
Morgens
möns

N

nach
no
neben
newwe
neben raus
newwe nen

O

oben
uwwe
Ostern
ustern

P

plündern
plünnern
Pferd
Gaul
Pferdestall
Gäulsstall

R

Räuberbande
Röwerbande
Regenschauer
Schlose

S

Sachen
Sache
Schlehen
Schlige
Schlitten
Schlirre
Schule
Schul
Sie
Se
sind wir
semmer/simmer
Stachelbeeren
Klusterbeere
schon
schun
seiner/seinen
säner
sind
sinn
so
su
Stube
Stubb

T

Tasse
Kaeppche
Topf
Kroppe
Tüte
Dut

U

über
iwwer
uns
us
unserem
ussem
unserer
usser

V

vor
vo

W

war
wor
War er
wore
wieder
wiere
Wiesbaden
Wißborn
wollte
wollt
wiegen
weije
Woche
Wuch

Z

Zeit
Zät

Mundartproben

Nachfolgend drei Mundartproben, jeweils mit einer Übersetzung

De Schinnerhannes in ussem Ort

In fruirer Zät is de Schinnerhannes mi säner Röwerbande in Nassau erem gezue. In usser Heimat wore ach. Se hun die onzelliegende Mille un Heb ausgeraubt. Aach in ussem Ort hun se en Bauer beraubt.

Der Bauer wollt no Wißborn mer`m Gaul. De Bauer ist möns schun frui uffgestiege, un wiere in de Gäulsstall is, do horre uwwe in säner Stubb Licht geseh.

Do ist de Bauer nuff gunge, un wiere in de Stubb ku, do wor de Schinnerhannes mit säner Röwerbande do.

Se harre schun die Better un sonstige Sache em Finster nunner geworfe. Su hot de Schinnerhannes met säner Bande alles ausgeraubt un geplünnert, bisse im Johr 1803 in Meenz met 22 säner Spießgeselle geköpt wore is.

Quelle: Überlieferung von Lilli Wahl

Der Schinderhannes in unserem Ort

In früher Zeit ist der Schinderhannes mit seiner Räuberbande in Nassau herumgezogen. In unserer Heimat war er auch. Sie haben die einzelliegenden Mühlen und Höfe ausgeraubt. Auch in unserem Ort haben sie einen Bauer beraubt.

Der Bauer wollte nach Wiesbaden mit dem Pferd. Der Bauer ist morgens schon früh aufgestanden, und wie er in den Pferdestall ist, da hat er oben in seiner Stube Licht gesehen.

Da ist der Bauer hochgegangen, und wie er in die Stube kam, da war der Schinderhannes mit seiner Räuberbande da.

Sie hatten schon die Betten und sonstige Sachen zum Fenster hinuntergeworfen. So hat der Schinderhannes mit seiner Bande alles ausgeraubt und geplündert, bis er im Jahre 1803 in Mainz mit 22 seiner Spießgesellen geköpft worden ist.

(Übersetzung: Frank Schwarzer)

Wie mer mol Schlirre gefohn sinn.

Die Buwe hun die Wuch iwwer de Schullehre gesoat, mer wolle emol Schlirre fohrn.

Es wor ihm aach gleich recht. Um 1 Uhr senn mer mett de Schlirre von de Schul, de Schullehre

kom, un do semmer no Rembach gefohre. Un mer sinn aach gemol newe nen gerannt.

Um 3 Uhr sin mer haam. Mer worn blutschernaß.

Als mer us Ufgowe gemacht harre, do simmer in die Pfalz fohrn. Die Wuch wollte mehr werre mol fohrn, es hots awwer nit gedon.

Quelle: Überlieferung von Liesel Petri

Wie wir einmal Schlitten gefahren sind

Die Buben haben die Woche über dem Schullehrer gesagt, wir wollen einmal Schlitten fahren.

Es war ihm auch gleich recht. Um 1 Uhr sind wir mit den Schlitten vor die Schule, der Schullehrer kam, und da sind wir nach Rembach gefahren.

Und wir sind auch einmal neben rausgefahren. Um 3 Uhr sind wir heim. Wir waren durchnässt.

Als wir unsere Aufgaben gemacht hatten, da sind wir in die Pfalzstraße gefahren. Die Woche über wollten wir wieder einmal fahren, es hatte aber nicht geklappt.

(Übersetzung: Frank Schwarzer)

Im nachfolgenden Gedicht geht es um die verschiedenen mundartlichen Bezeichnungen für den Hasen, der schon im Nachbarort anders ausgesprochen wird

De Strinzer Hoas

Im Steckenrother Dialekt heißt der Hase: Haass, in Strinz isses en Hoas.
Im Strinzer Dialekt heißt der Bräter: Bräärer, Leute nennt man: Lööt.
Der Spitzname der Steckenrother heißt: Käes (vom Käsemachen)
Der Spitzname der Strinzer heißt: Strinzer Heckeflämser (Abflämmen der
Hecken und Feldraine im Frühjahr).

Wos iss ders doa feer Dier?

De Hoas, iss des aach en Strinzer?
Jo, Jo, so heißt der Hase in unserem echte Strinzer Dialekt, unn ders is werklich
e goldig Dier, sonst hätt` en jo de Albrecht Dürer nit su schee gemold:

Unn Haas, isses im Uwe, wenn mer mit Uweknibbel feuern duud.
Doa werds im Winder su richdig worm in de Buud.
Woas en Hoas iss, unn wenns Haass iss, des muss mer vesteeh,
sonst deed die Pointe in die Hoose geeh.

De Strinzer Hoas des iss e Dier, frisst Ajerpisch un trinkt koa Bier.
De Nome heert sich oo wie Hors, abber des iss in England ee Pferd oder ee Ross
Die fresse Howwer un Hei un sinn gegeüwwer eem Hoas riesegroß.
Se saufe Wasser unn ziehe de Woache unn ach de Blugg, wenn e Hingel gluggsich iss,

doa isses en Glugg, Die Hingel fresse Howwer un lehe ee Aaii, negst alle Doag aans

unn gaggern debei.

Awwer de Hoas, des iss e goldig Dier, verlässt der mool sei Rewier
unn leäft üwwer die Äsestross, eer Lööt, eer Lööt, doa iss ebbes loos,
vieläscht sugor noo Steggerod, doo muss eer sich ferschde feer säm Dood.
Die Steggeräärer rufe: „enn Haas, enn Haas, dess iss feer den Hoas werglich koan Spaas.

Haas, ders heert de Hoas werglich nit gern, unn bereut, des er gelaafe iss in die Fern.
Hee schlieht en Hooge unn leeft wos`e kann, in die Strinzer Gemorgg, in die erscht best Gewann.
Do fühlt`e sich sicher, unn iss nit mee nerveess,unn heert nit mee haass, haass, vo de Steggerärer Käes.
Denn haass, vestieht de Hoas im 'e annern Sinn gewiss, haas isses feern Hoas wenn`e im Bräärer drin iss.

Quelle: Überlieferung von Helmut Hartwig

Was ist das da für ein Tier?

Der Hase, ist das auch ein Strinzer?

Ja, ja, so heißt der Hase in unserem echten Strinzer Dialekt, und das ist wirklich

ein goldiges Tier, sonst hätte es der Albrecht Dürer nicht so schön gemalt:

Und heiß ist es im Ofen, wenn man mit Ofenknüppel heizen tut. Da wird es im Winter so richtig warm in der Bude.

Was ein Hase ist und wenn es heiß ist, das muss man verstehen, sonst wird die Pointe in die Hose gehen.

Der Strinzer Hase das ist ein Tier, frisst Eierbüsche und trinkt kein Bier.

Der Name hört sich an wie Horse, aber das ist in England ein Pferd und ein Ross.

Die fressen Hafer und Heu und sind gegenüber einem Hasen riesengroß.

Sie saufen Wasser und ziehen den Wagen und auch den Pflug,

wenn ein Huhn gluckig ist, dann ist es eine Glucke.

Die Hühner fressen Hafer und legen ein Ei, legen jeden Tag eins und gackern dabei.

Aber der Hase, das ist ein goldiges Tier, verlässt der mal sein Revier und läuft über die Eisenstraße, er läuft er läuft, da ist etwas los, vielleicht sogar nach Steckenrodt,

da muss er sich fürchten vor seinem Tod. Die Steckenrödther rufen: Ein hieß, ein heiß,

das ist für einen Hasen wirklich kein Spaß.

Heiß, das hört der Hase wirklich nicht gerne, und bereut, dass er gelaufen ist in die Ferne.

Er schlägt einen Haken und läuft wo er kann, in die Strinzer Gemarkung, in die erst beste

Gewann. Dort fühlt er sich sicher und ist nicht nervös, und hört nicht mehr heiß, heiß von dem Steckenrödter Käse.

Denn heiß versteht der Hase in einem anderen Sinn gewiss. Heiß ist es dem Hasen, wenn er im Bräter drinnen ist.

(Übersetzung: Frank Schwarzer)