- Im Frühjahr 1626 wird unsere Region von Wallensteins Offizier Oberst Freiherr von Görzenich besetzt. Für die Bewohner unserer Gegend beginnt nun eine Leidenszeit, die sich fortgesetzt steigern wird.
Oberst Görzenich ist der gefürchtete Heerführer des Krieges. Wo er mit seinen Soldaten hinkommt, wird alles in Grund und Boden vernichtet. Seine Soldaten benehmen sich der Bevölkerung gegenüber wie die Bluthunde. Sie haben Methoden ausgearbeitet, die geeignet sind, die Bevölkerung bis aufs Blut auszunehmen.
Wer Hab und Gut nicht freiwillig hergibt, wer erklärte, nichts zu besitzen, der wird gebunden und es wird mit Füßen auf ihm herumgetrampelt. Hände und Finger werden den Bauern zusammengeschraubt, bis das Blut herausspritzt. Wenn das nichts hilft, werden die Bedauernswerten zusammengebunden und mit dem Kopf nach unten in den Rauchfang gehängt.
Reichere Leute werden fortgeschleppt und nur gegen entsprechendes Lösegeld freigelassen. Die Mädchen und Frauen werden entehrt und Männern und Kindern die Schuhe geraubt.
(Wehen uns sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1957)
- Im September 1626 ziehen die Truppen Görzenichs ab. Ihm folgen sofort die Truppen Wallensteins, unter dem Herzog von Lauenburg, in die ausgepressten Taunusorte. Seine Horden benehmen sich zwar etwas besser als Görzenichs Scharen, aber sie sind immer noch viel teuflischer als Tillys Ligaheer. Schlimm ist zusätzlich, dass die Soldaten noch die Pest mitbringen.
Quelle: Wehen uns sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1957- Der ganze Winter 1626/27 war für die Nassauischen Lande sehr traurig. Das Hauptquartier des Herzog Maximilian von Sachsen-Lauenburg war zu Offenheim in der Wetterau, von wo aus seit September die sämtlichen nassauischen Lande mit Truppen überzogen wurden. Das Land war hohen Contributionen (Abgaben) ausgesetzt. 8.000 Reichstaler Constribution wurden gefordert. Das Drückendste war die Willkür, wonach man sich an gar keine Bestimmung band, sondern abpresste, wozu man Lust hatte.
Konnten die Dorfschaften die angesetzten Contributionen nicht entrichten, so wurden Menschen und Vieh eingesperrt und nicht zur Weide und Arbeit gelassen, wie das u.a. auch in Strinz-Margarethä vorkam. Die Schultheiße (Bürgermeister) wurden misshandelt und deren Wohnungen ausgeplündert. Und dabei wurden tausend andere Plackereien den Einwohnern zugemutet, die keineswegs gering anzuschlagen waren.
Quelle: Die Drangsalen des Nassauischen Volkes und den angrenzenden Nachbarländern in den Zeiten des dreißigjährigen Krieges, seine Helden, Staatsmänner und andere berühmte Zeitgenossen- Zusätzlich zu Lauenburgs Truppen wir unsere Region noch von den Truppen des Wallenstein Oberstleutnant von Freysing besetzt, dessen Truppen unsere Region zusätzlich ausnehmen.
Quelle: Wehen uns sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1957- Noch immer treiben die Truppen Görzenichs und Freysings ihr Unwesen in unserer Region.
Zahlreiche Beschwerden bei Wallenstein und dem Kaiser führen letztendlich dazu, dass Görzenich von diesen fallen gelassen wird und der Befehl erteilt wird, dass Görzenich in keinem Land mehr geduldet werden darf. Daraufhin verlässt er im September mit seinen Truppen unsere Region, kehrt aber am 6. Oktober wieder nach Idstein zurück, weil ihm überall der Durchmarsch verweigert wird. Er bleibt erneut bis 21. Oktober in der er überall plündern lässt und sogar befehlt die Kirchen nicht zu verschonen.
Quelle: Wehen uns sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1957