Wenn man mit offenen Augen in der Gemarkung unterwegs ist, insbesondere mit dem Metallsuchgerät über die Felder geht, findet man die unterschiedlichsten Steinarten vor. Einige in unserer Gemarkung aufzufindende Mineralien möchte ich hier vorstellen."
Kalkspalt
Ein sehr häufiges in unserer Gemarkung aufzufindendes Mineral ist der Kalkspat aber auch Calcit, Kalzit oder Doppelspat genannt.
Der Stein entwickelt verschiedene Kristall- beziehungsweise Aggregatformen, die entweder farblos oder von milchig weißer bis grauer, durch Verunreinigungen auch gelber, rosa, roter, blauer, grüner, brauner oder schwarzer Farbe sein können. Mit einer Mohshärte von 3 (Diamant = 10) gehört Calcit zu den weichen Mineralen.
Mandel
Eine Mandel ist ein vollständig mit mineralischer Substanz gefüllter ehemaliger Hohlraum (Geode) in Vulkaniten.
Ein Vulkanit ist ein Gestein, das infolge vulkanischer Aktivität durch rasche Abkühlung einer Gesteinsschmelze an der Erdoberfläche entsteht. Die Mandel besteht vermutlich aus Sandstein und Ferrit.
Das die Mandel umhüllende Gestein wird entsprechend als Mandelstein bezeichnet.
Waldgeschichten
Jahrhundertelang war der Wald D I E Ertragsquelle für die Gemeinde.
Deshalb gibt es auch viel über den Strinzer Wald zu erzählen.
Nachfolgend können Sie sich einige Waldgeschichten anschauen.
Der Wald als Ertragsquelle
Der Wald als Ertragsquelle
In frühen Jahren konnten waldreiche Gemeinden einen beträchtlichen Teil ihres Haushaltes durch Holzverkäufe betreiben. Durch die niedriger werdenden Holzpreise und die ansteigenden Ausgaben für Gehälter und Löhne sind die Reineinnahmen stark zurückgegangen. Der Wald wird allmählich zum Zuschussbetrieb für die Gemeinden.
Am Ende des Haushaltsjahres 1968 stellte sich heraus, dass bei der Endabrechnung für die Gemeinde StM ein Defizit von 138,- DM entstanden ist. Der Wald warf keinen Gewinn mehr ab.
Nachfolgende Tabelle zeigt die waldwirtschaftliche Entwicklung in StM auf:
Einnahmen aus der Waldwirtschaft 1952 - 1969
Jahr
Einnahmen DM
Ausgaben DM
1952
62.100
24.760
1955
130.000
33.500
1957
82.300
36.010
1960
56.000
38.870
1961
65.000
39.000
1963
65.000
42.000
1964
62.000
40.000
1965
80.000
46.000
1966
80.000
50.000
1967
65.000
40.500
1968
54.500
44.860
1969
54.000
43.820
Quelle: Alte Strinzer Chronik, Band 2
Aus der Chronik
Im Gemeindewalde werden am Dienstag den 16. Februar, vormittags 18 3/4 Klafter Buchenscheid, 10 Klafter Buchenbrügel, 1 Klafter Eichenlagerholz, dann 10 Stück Achsen, 1 Klafter Felgenholz und 500 Stück Buchenwellen versteigert.
Ende der vierziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, als infolge des verheerenden Krieges, der
Deutschland in unvorstellbare Not gebracht hatte, an allem Mangel herrschte, war Holz aus unseren Wäldern Gold wert. Holz war das einzige Brennmaterial, das den Menschen zur Verfügung stand. Dennoch sehr begrenzt, weil es der Zwangsbewirtschaftung unterlag, mit der Raubbau an den Wäldern verhindert werden sollte, denn die Waldbesitzer, größtenteils Gemeinden und der Staat, waren verpflichtet, auch die Städte und die Flüchtlingslager mit großen Mengen Brennholz zu versorgen. Die Zuteilungsquoten mussten von der Gemeindeverwaltung vollzogen und kontrolliert werden. Den Familien wurde das Brennholz nach der Anzahl der Familienmitglieder zugeteilt, darüber hinaus gab es noch „Wellen“ und den „Schlagabraum“ in Selbstwerbung.
Da es weder Benzin, noch Dieselöl gab, außer den Zuteilungen für die Landwirtschaft, die Feuerwehr und sondergenehmigte PKWs, z. B für den Landarzt, wurden die Lkw`s mit dem Holzvergaser betrieben, der ebenfalls Holz verschlungen hat. Für eine Betriebsstunde wurden mehr als 75 kg Holz verbraucht, das dem Fuhrunternehmer (für das Milchauto) ebenfalls zugeteilt wurde. Man kann sich leicht vorstellen, dass in allen Bereichen die Zuteilungen nicht ausreichten, um den „tatsächlichen Bedarf“ zu decken. Wer im Winter nicht frieren wollte musste sich zusätzlich Brennmaterial beschaffen. Der Fuhrunternehmer musste von seinen Auftraggebern zusätzlich Holz verlangen, d.h. woher nehmen und nicht stehlen? Die Transportaufträge waren so umfangreich, dass die Holzvergaser- Lkw`s Tag und Nacht unterwegs waren.
In den Wintermonaten wurde das Holz im Wald gefällt, bis zu 60 Holzfäller waren damit von Mitte November bis März beschäftigt. Das Brennholz wurde nach Güte sortiert und in Raummetern gestapelt in 1, 2, 3, oder 4 m Stößen, an der Stelle, wo man den Baum zerlegt hatte. Die Qualität wurde unterschieden in Scheitholz (einmal gespalten), in Knüppelholz und Reißerknüppel, letztere in unregelmäßiger Länge. Das Holz fällen wurde im Akkord entlohnt und meist von sogenannten „Rotten“ zu 4 oder auch mehreren Holzfällern ausgeführt, alles Bürger, die froh waren in den Wintermonaten etwas verdienen zu können, aber auch um kranken- und rentenversichert zu sein.
Schon wegen der Akkordentlohnung war es nötig, dass jeder Holzstoß nummeriert und registriert wurde, aber natürlich auch für die spätere Verteilung. Diese Aufgabe oblag dem Haumeister, der fortlaufend jedem Holzstoß mit dem Nummerierknüppel und schwarzer Farbe die Nummer einschlug und in einem dafür vorgesehenen Buch nach Qualitätsmerkmalen notierte. Bis zum Ende der Fällperiode waren das viele Hundert Holzstöße, die im Frühjahr bei trockenem Wetter zur Abfuhr freigegeben wurden. Dabei stellte sich heraus, dass eine ganze Reihe fortlaufender Nummern nicht da saßen, wo sie in der Reihenfolge der Nummerierung hätten sitzen müssen. Was war passiert, wie wollte man das klären? So kam der Gemeinderat auf die Idee, den Schullehrer mit seinen Schülern in den „Holzwald“ zu schicken, um alle Holzstöße und ihre Nummern zu überprüfen. Das bereits abgefahrene Holz hat man im Dorf zu überprüfen versucht, ob das aber entsprechend erfolgreich war, blieb ungewiss. Man hatte jedoch „herausgefunden“, dass immer ganze Zehnerreihen der fortlaufenden Nummerierung fehlten. Hatten Diebe sich das zunutze gemacht, um es nicht als Diebstahl erscheinen zu lassen? Das ist wohl anzunehmen! Es mangelte jedoch nicht an Ausreden, denn es wurde auch vermutet, dass der Haumeister falsch nummeriert haben könnte, das der Nummerierknüppel nicht in Ordnung gewesen sein könnte, ohne das er es gemerkt hätte.
Da Diebe nicht gefunden wurden, hat man die Sache nicht weiterverfolgt. Ein unguter „Geschmack“ blieb jedoch im Raum. Wenn es Diebe waren, konnten sie zufrieden sein und der Gemeinderat auch??? Das „abhanden“ gekommene wertvolle Brennholz machte schätzungsweise 10 % des regulären jährlichen Holzeinschlags aus. Warum die Diebe nicht gefunden werden konnten bleibt Spekulation. Es wurden allerlei Gerüchte in Umlauf gebracht, die vermutlich alle mit Bedacht an der Wahrheit vorbeigingen. Einige hatten sicher ihren Spaß dabei.
Es fiel allerdings später auf, dass die „Holzmaschin“ an einigen Stellen tagelang Holz kleinzuschneiden hatte, was sehr ungewöhnlich war.
Ein Beitrag von Helmut Hartwig
Kahlschlag zur Versorgung der Flüchtlingslager und Städte
Bemerkenswert ist, dass in den Jahren 1946/47 und 1948/49 aufgrund von Anordnungen der Militärverwaltung der Amerikaner in der amerikanischen Zone die Waldeigentümer – vorwiegend die Gemeinden, Städte und der Staat (Land) - zur Versorgung der Stadtbevölkerung und der Flüchtlingslager, große Mengen Brennholz abgeben mussten. Die ausgewählten Flächen wurden im Kahlschlag abgeholzt. Dazu hatte die Militärverwaltung ehemalige Zwangsarbeiter - meist Polen - die noch nicht wieder zurückkehren konnten, mit schweren Motorsägen ausgestattet. Die Buchen, Hainbuchen und Eichen wurden einfach ca. 60 – 70 cm über dem Boden abgesägt, leicht entastet und mit großen Dreiachser Lkw`s der amerikanischen Armee abtransportiert. Sowohl die Beschlagnahme der Waldflächen als auch die unsachgemäße und wilde Abholzung empörte die Bürger. „Unser guter Wald wird einfach von den Amis abgemacht“. Das wollte man nicht so einfach hinnehmen. „Wer war daran schuld und was machen die mit unserm Holz“. Was damit gemacht wurde konnte jeder, der es wissen wollte nachvollziehen. Die vielen tausend Menschen die in der näheren Umgebung noch in Lagern lebten (z.B. Lager Bleidenstadt Lager Michelbacher Hütte und andere) wären erfroren und verhungert, wenn nicht durch strikte Maßnahmen der Militärverwaltung die Versorgung gesichert worden wäre. Die zivilen Strukturen wären dazu nicht in der Lage gewesen, aus vielerlei Gründen.
Allein für Transporte von Gütern aller Art war noch das Pferdefuhrwerk und das Kuhgespann übriggeblieben und das mit Einschränkungen, denn selbst die eisenbereiften Bauernwagen waren wegen der in der Kriegszeit vernachlässigten Reparaturen für größere Strecken nicht geeignet. Aber auch gute Zugtiere waren nicht ausreichend vorhanden. Die guten Pferde waren für den Krieg eingezogen und nicht mehr zurückgekommen.
Nur sehr eingeschränkt konnten die Städte mit Brennmaterial versorgt werden, denn der Schiffsverkehr auf dem Rhein war wegen der quer liegenden eingestürzten Brücken nicht möglich und der Bahnverkehr war ebenso auf eine minimale Transportleistung geschrumpft, so dass Kohle aus dem Ruhrgebiet nicht in ausreichenden Mengen verfügbar war. Umso mehr war ein regelrechter Kampf um das Brennholz aus unseren Wäldern entbrannt, denn es wurden darüber hinaus auch große Mengen Bauholz für den Wiederaufbau und große Mengen Grubenholz für den Bergbau gebraucht sowie Industrieholz, wie z.B. zur Papierproduktion. Mit den ja vorhandenen Strukturen der Zwangsbewirtschaftung und der Kontingentierung war es möglich den vorherrschenden Mangel einigermaßen gerecht zu verteilen. Davon unberührt blühte der Schwarzmarkt zum Vorteil von Wenigen auf Kosten Vieler. Die sogenannte „Schrottelzeit“ war sehr ausgeprägt und wurde erst mit der Währungsreform am 20. Juni 1948 mehr und mehr zurückgedrängt. Die in der Folge in den drei westlichen Besatzungszonen (in Triezonesien) eingeführte „soziale Marktwirtschaft“ brachte für die Mehrheit der Bevölkerung große Erleichterungen mit sich und Mitte der fünfziger Jahre sogar das sogenannte „Wirtschaftswunder“ im westlichen Deutschland.
Ein Beitrag von Helmut Hartwig
Wiederaufforstung
Eine ordentliche und sinnvolle Waldbewirtschaftung nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit, wie sie seit Jahrzehnten gepflegt wurde, war für das Jahrzehnt nach 1945 völlig aus den Fugen geraten. Die großen Kahlschlagflächen konnten zunächst nicht wieder aufgeforstet werden, sie wurden ganz schnell von wildem Himbeer- und Brombeergestrüpp und anderen Wildpflanzen überzogen. Die gute Seite daran war, dass in der Reifezeit ganze Familien, meist Frauen und Kinder kiloweise die Früchte ernten konnten, zur eigenen Versorgung, aber auch zum Verkauf oder Tausch auf dem „Schwarzmarkt“ in Wiesbaden, den man nur zu Fuß, mit einem alten Fahrrad, oder mit der Bahn vom Bahnhof Hahn/Wehen erreichen konnte. Einige Bürger, die sich eine dieser schweren Motorsägen beschafft hatten, zu deren Bedienung zwei Mann nötig waren, machten sich daran die 60 bis 70 cm hohen Wurzelstöcke nachzuschneiden, um so von den Kahlschlägen noch wertvolles Brennholz zu erwerben. Der reguläre Holzeinschlag in den Monaten November bis März wurde zunehmend zum Problem, da es mehr Anwärter (Holzmääscher) gab, als man tatsächlich beschäftigen konnte. Mangels anderer Erwerbsquellen und ohne Arbeitsmöglichkeiten im Handwerk oder der Landwirtschaft, war die Zahl der Bewerber riesengroß, sie wollten alle etwas Geld verdienen und auch vor allem krankenversichert sein. Sie waren alle Bürger der Gemeinde und hatten somit gleichermaßen Anspruch darauf von dem Arbeitgeber Gemeinde beschäftigt zu werden.
Der Gemeinderat musste dazu eine Lösung finden und so wurde beschlossen, dass die Anwärter aus einer Bauernfamilie, die ein Pferd hatte nicht berücksichtigt wurden, denn man ging davon aus, dass die Familie den Verzicht verkraften konnte, während andere Bewerber nicht wussten, wie sie den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie bestreiten sollten. Doch der Besitz eines Pferdes war kein Privileg dafür um auf Geld, das man in dem „reichen Holzwald“ -wie das damals hieß- verzichten zu können. Es war also nicht die beste Lösung, aber welche anderen Kriterien hätte man zugrunde legen sollen. In der Folgezeit führte sie jedoch zu erheblichem Ärger in der Dorfgemeinschaft. Nachdem 1948 auf kommunaler Ebene wieder Wahlen stattgefunden hatten, mit der Wahl einer neuen Gemeindevertretung und eines neuen Bürgermeisters hat man es als dringend nötig erachtet, versäumte Arbeiten in der Gemeinde, in Feld, Wald und Flur, aber auch im Dorf selbst, schnellstmöglich nachzuholen.
Ein Beitrag von Helmut Hartwig
Wiedereinführung des Frondienstes
Da für eine gute Entlohnung dieser Arbeiten kein Geld zur Verfügung stand machte man sich den „Frondienst“ zu Nutze, d.h., dass alle Haushaltungen und die Bauern zu „Hand- und Spanndiensten“ herangezogen wurden. Die Bauern, die ein Pferd hatten, mussten sogenannte „Spanndienste mit ihrem Fuhrwerk leisten, während der „Haushaltsvorstand“ der übrigen Familien mit Hacke und Schaufel (Hack un Schipp) arbeiten musste. Haushaltsvorständen der Evakuierten und z.T. auch der Flüchtlingsfamilien fiel diese Arbeit besonders schwer, da viele noch nie mit Hack un Schipp geschafft hatten und vielfach auch den Sinn der Arbeiten nicht erkennen konnten.
Eine besondere Herausforderung kam auf die Frondienstleistenden zu, als das Brennholz für die Schule und die Kirche aus dem „Holzwald“ angefahren wurde. Mehr als 40 Fuhren bestes Scheidholz sollten, wie das bisher üblich war, etwa je zur Hälfte auf dem alten Schulhof und hinter dem Pfarrhaus, da wo heute das Ehrenmal steht, abgeladen werden. Es kam aber anders, denn offenbar hatten sich die Fuhrleute dahingehend geeinigt, das gesamte Brennholz unten in der Scheidertalstraße, bei der Kirchentreppe zu entladen, worüber sich zunächst niemand wunderte.
Vielleicht wollte man es ja später hochfahren. Aber weit gefehlt, sollten es doch die Frondienstler die Treppe hochtragen. Die Fuhrleute (Spanndienstleistenden) hatten die Ausrede: „ de Parre leid`s nit, dess mir do nuffer fohrn“. Diese Ausrede ist insofern nicht glaubwürdig, dass der Kirchenvorstand darüber zu befinden hat, ob die Fuhrleute die Auffahrt benutzen können oder nicht. Als im Dorf bekannt wurde, dass die Frondienstler gezwungen werden sollen ca. 60 – 70 Raummeter Holz die Kirchentreppe hoch zu tragen, nur, weil es „de Parre nit leid“ das man es mit dem Fuhrwerk hochfährt, wie man weiterhin fest und steif behauptet hat, waren die Betroffenen empört und wütend. Das waren mittelalterliche Methoden und eine Schande, wie man die Leute drangsalierte.
War es vielleicht „Rache“ dafür, dass einer, der ein Pferd hatte, nicht beim Holzmachen etwas verdienen konnte? Das wahre Motiv war leider nicht aufzuspüren, man hielt fest zusammen und
blieb dabei, dass es „de Parre nit leid“. Eine Stellungnahme des Pfarrers ist nicht bekannt. Bei den damaligen Abhängigkeiten und sicher um sich vor „Schimmerem“ zu schützen, haben die Frondienstpflichtigen das gesamte Holz die Treppen hochgeschleppt. Vermutlich um sich etwas „Luft“ zu verschaffen, konnten man später in 40 cm großen weißen Buchstaben an Deusers Mauer den Spruch lesen: „Lieber tot als Sklave“. Damit kam das „gesunde Volksempfinden“ zum Ausdruck und eine Protesthaltung gegen die in der Nazizeit üblichen Schikanen, gegen die man sich, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, damals nicht wehren konnte. Erste vage Anzeichen dafür, dass sich die Menschen nicht mehr unterdrücken lassen wollten. Die Lebensumstände waren schlimm genug, sodass solche Quälereien, die man den Leuten abverlangte, völlig unmenschlich waren. Es war jedoch kein Einzelfall, wie man damals die Menschen, die sich nicht wehren konnten, behandelt hat. Bei Arbeiten in der Landwirtschaft und auf Baustellen waren solche Quälereien zu beobachten, es herrschte allgemein ein unmenschliches Verhalten von denen die Macht und Einfluss hatten, gegenüber denen die wenig oder nicht in den entsprechenden Kreisen eingebunden waren.
Der menschenverachtende Geist der gerade zu Ende gegangenen Epoche lebte überall wieder auf und war im Alltag vieler Menschen deutlich spürbar.
Ein Beitrag von Helmut Hartwig
Aus dem Schellenbuch
Am 20.07.1948 wurde per Schelle (Glocke) folgendes verkündet:
"Heute Mittag geht es wieder hinaus, Wege machen. Da soll jeder wieder vorher auf die Bürgermeisterei kommen. Um Unklarheiten zu begegnen, dass einzelne Leute, welche bei der Verlesung der Namen in der Gemeindeversammlung am 16.07.48 vergessen sein sollten, nicht davon betroffen wären, Frondienst zu leisten, wird hiermit richtiggestellt, dass ohne Ausnahme jeder selbständige Haushalt der eine männliche Kraft besitzt für einen Tag Arbeitsleistung verpflichtet ist. Zusätzlich für jeden Hektar einen halben Tag. Jeder angefangene halbe Hektar ist frei. Genaueren Bescheid erhält jeder in Kürze schriftlich.
Wer sich körperlich nicht dazu in der Lage fühlt, kann einen schriftlichen Antrag an die Gemeindevertretung auf Befreiung bis Sonntag den 25ten auf der Bürgermeisterei abgeben."
Befreiung vom Frondienst
Aufgrund des oben dargestellten Aufrufes, wurde nachfolgender Befreiungsantrag an die Gemeinde gerichtet:
Ich bitte den Herrn Bürgermeister mich von der Gemeinde-Frohn zu entheben, da ich alt und krank bin, u. auch das Geld für den eventuell zu stellenden Ersatzmann nicht zahlen kann, da ich mir nur von meiner Rente den Lebensunterhalt bestreiten kann und mir andere Erwerbsquellen nicht zufließen.
Die Wiederaufforstung der schwer in Anspruch genommenen Wälder hat sich über ein weiteres Jahrzehnt hingezogen. Zunächst wurden die Kahlschlagflächen bis auf den blanken Waldboden abgeräumt. Alles was noch als Brennmaterial verwertet werden konnte, wurde in großen und kleinen „Wellen“ zusammengebunden, z.T. noch in „Witt“ – das sind junge Buchen, die man dem üppigen Aufwuchs entnommen, in Wasser geweicht und anschließend gedreht hat- als Ersatz für Strick und Kordel an dem es gemangelt hat. Der Wald war regelrecht leergefegt, auch trocken gefallene junge Buchen von 10–12 Meter Höhe hat man um gedrückt, in der Mitte geteilt und auf der Schulter heimgetragen. Zur Wiederaufforstung der Kahlflächen waren natürlich riesige Mengen an jungen Pflanzen nötig, die in den eigens dafür erweiterten gemeindeeigenen Pflanzenschulen und neu angelegten Anzuchtflächen herangezogen wurden. So konnten Anfang der fünfziger Jahre ca. 350.000 bis 400.000 junge Fichten- und Kiefernpflanzen entnommen werden für die Neubepflanzung. Die Arbeiten in der Pflanzenschule und im Pflanzenwald war Frauensache. Etwa 12 bis 15 Frauen gingen mehrere Monate im Jahr in die „Planzeschul“ und in „de Planzewald“. Der Stundenlohn für Frauen lag damals bei 50 Pfennig, der für Männer, die bei der Pflanzung mit der Hacke die Pflanzlöcher machten, bei 70 Pfennig. Die Pflanzung erfolgte mit einem Reihenabstand von einem Meter und in der Reihe ebenfalls von einem Meter, sodass je Hektar 10.000 Pflanzen gebraucht wurden, die dank der sorgfältigen Pflanzung und der nachfolgenden Pflege durch Freischneiden und dem Teeren gegen Wildverbiss fast zu 100 % aufgewachsen sind. Die damals kahl geschlagenen Flächen sind heute noch an dem neu herangewachsenen Bestand zu erkennen, vor allem rechts und links vom „Neuen Weg“, am Hennethaler Weg, wo durch eine Luftmine eine Kahlfläche entstanden war und Teilflächen auf dem Geröms, die nach dem Schneebruch im Mai 1936 kahl geschlagen wurden.
So wie der „Pflanzenwald“ Frauensache war, war der „Holzwald“ Männersache, denn das Fällen und Aufarbeiten der Bäume war damals Schwerstarbeit. Die Arbeitsgeräte waren Drumsäge, Bügelsäge, Axt, Spalthammer, Keile und Schlegel, Wendering, Ablängmaß mit Reißhaken, Feilen und Schränkeisen, Schäleisen und Schnitzmesser. Der gefällte Baum, meist Buche und Eiche, wurden zerlegt in den astfreien, höherwertigen Stamm, dann in Meterstücke zu Brennholz und in Reißerknüppel. Das alles war Handarbeit mit Säge und Axt. Aus minderwertigeren Stämmen wurde Papierholz/ Faserholz, zerlegt In Meterstücke und einmal gespalten oder auch höherwertiges Brennholz. Buchenfaserholz musste mit dem Schnitzmesser entrindet werden. Fichte- und Kiefernstammholz wurde mit dem Schälmesser entrindet, das war Knochenarbeit. Fichtenstammholz wurde in der Regel als Bauholz verwendet, während Fichtenstangen in der Klassifizierung I - III, ebenfalls geschält, von 2 Mann auf der Schulter an den befahrbaren Weg gerückt und gestapelt wurden. Sie wurden meist als Gerüststangen im Baugewerbe gebraucht. Das Stammholz wurde meist im Frühjahr bei trockenem Wetter mit dem Pferd an den befahrbaren Weg gerückt, desgleichen auch große Mengen „Grubenholz“, Buchen und Eichen, die zum Abstützen in die Kohle- und Erzbergwerke gingen. Brennholz und Faserholz wurden in Raummeter zu 1.2.3 oder 4 Meter gestapelt, an mit dem Fuhrwerk abfahrbereiter Stelle. Auch hierbei musste viel getragen werden, ebenfalls Knochenarbeit. Nur mit Galgenhumor war der oft übliche Spruch zu verstehen „Wer abends nicht müde ist, der ist selber schuld“.
Der Arbeitstag hatte gut 8 Std., plus Hin- und Rückweg zu Fuß, das waren oft 3 – 5 km. In den Monaten Nov. bis Febr. ging man im Dunkeln von zu Hause weg und kam im Dunkeln wieder heim. Der harte Arbeitstag wurde pünktlich um 12.00 Uhr unterbrochen von der Mittagspause, zu der die Frauen und Mütter der „Holzmäscher“ das warme Essen in den „Holzwald“ brachten, frei Arbeitsplatz, wobei man sich an einem rechtzeitig angemachten Feuer wärmte und etwas entspannen konnte. Allerdings wurde das „Essentragen“ mit der Zeit wieder abgeschafft.
Diese harten Zeiten haben sich erst in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre geändert, als in Folge des „Wirtschaftswunders“ und besserer Verkehrsmöglichkeiten, sich neue Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten eröffneten. Infolge des technischen Fortschritts gab es auf allen Ebenen
Arbeitserleichterungen. Sowohl im „Pflanzen- wie im „Holzwald“ waren die Arbeitsplätze auf ein Minimum geschrumpft.
Die harten Zeiten waren endgültig vorbei!!
Ein Beitrag von Helmut Hartwig
Waldnamen
Strinzer Waldungen 1860
Um die einzelnen Waldgebiete in der Strinzer Gemarkung unterscheiden zu können, wurden diese mit Namen versehen. Hier die einzelnen Waldnamen:
Breitloh
Eichelstück
Eichholz
Waldstück am Hermannsweg links. Dieses Waldstück wurde 2003 weitgehend aus der Bewirtschaftung genommen. Bis zu 183 Jahre alt ist der Buchenbestand im Eichholz. Da das Waldstück nicht mehr bewirtschaftet wird, entsteht hier wieder ein "Urwald".
Geröms
Hengstbach
Hinterscheid
Hirschtruth
Hohe Wald
Kohl Wald
Hier standen in früher Zeit Kohlemeiler. Dort wurde Holzkohle hergestellt. Noch heute ist der Waldboden dort schwarz von der Kohle.
(Siehe auch unter: Köhler)
Libbacher Heck
Rauschehaag
Rembach
Römersberg
Staut
Steinberg
Die Strinzer Linde
Die alte Linde im Jahre 1929
Im Jahre 1984 wird die alte Dorflinde von einer Sturmbö erfasst und entwurzelt. Man schätzte das Alter auf ungefähr 100 Jahre.
Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um ein sogenannte Kaiserlinde handelte.
Die Bezeichnung Kaiserlinde tragen Linden, welche früher zu herausragenden Ereignissen in Zusammenhang mit dem Kaiser bzw. zu national bedeutsamen Daten gepflanzt wurden.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert und beginnenden 20. Jahrhundert erlebte das Kaisertum und die Kaiserverehrung eine späte Blütezeit. Dementsprechend wurden
Die Landfrauen am Stumpf der alten Linde diesbezügliche sowie nationale Feiertage mit großem patriotischem Eifer begangen.
Oft wurden Kaiserlinden neben anlassspezifischen Gedenksteinen gepflanzt oder es wurden Tontafeln mit Widmung bzw. Glasflaschen mit eingelegter Widmung mit eingegraben. Vor allem im ländlichen Raum erfreute sich das Pflanzen derartiger Linden großer Beliebtheit – aus dem einfachen Grund, dass man sich aufwändige Gedenksteine oder die Widmung neuer, großer Bauwerke wie in den großen Städten nicht leisten konnte.
Sehr beliebte Pflanzdaten für Kaiserlinden waren:
- die Erinnerung an den Geburts- bzw. Todestag Kaiser Wilhelm I. (* 22. März 1797; † 9. März 1888),
- die Erinnerung an das Inthronisationsdatum Kaiser Friedrich III. am 10. März 1888.
Stimmt die Alterseinschätzung von 1984, so ist davon auszugehen, dass eines dieser Daten der Anlass zur Pflanzung der Linde war.
Noch im selben Jahr wird eine neue Linde durch Ortsvorsteher Werner Petri und Willi Guckes im Beisein vieler Bürger gepflanzt.
Pflanzung der neuen Linde
Eine 2. Linde gleichen Alters stand in der Pfalzstraße vor der Brunnenkammer, vor der Scheune Stößinger/Guckes. Sie war mehrfach mit Eisenbändern über der Gabelung zusammengehalten und musste ebenfalls aus Sicherheitsgründen gefällt werden.
Strinzer Steinbrüche
In der Strinzer Gemarkung sind vier Steinbrüche bekannt, die für den Hausbau und den Wegebau genutzt wurden. Die auf der Hand liegenden Vorteile eigener Brüche waren zu allen Zeiten die geringen Transportwege.
Steinbruch an der Steinstraße
Bis Ende der fünfziger Jahre wurde der Steinbruch am Ortsausgang nach Breithardt, zwischen der Straße nach Breithardt und der Steinstraße, genutzt. Betreiber war der Bauunternehmer August Gräter, der in den Jahren nach dem Krieg für Fundamente und Grundmauern erhebliche Mengen aus dem Fels herausgebrochen hat. Große Mengen wurden verarbeitet am Landhaus/Waldhaus und der das Haus umgebenden Mauern am Orler Weg, dass in den Jahren 1946-1949 von Familie Zerbe erbaut wurde.
Eine weitere Großbaustelle, an der diese Bruchsteine verbaut wurden, war die neue Schule, erbaut 1950. Auch an fast allen Neubauten in der Schulstraße, die bis etwa 1960 erbaut wurden, sind diese Bruchsteine verarbeitet.
Der komplette Unterbau der Schulstraße wurde mit diesen Bruchsteinen (Gestück) befestigt.
In den letzten Jahren des Steinbruchbetriebes wurden schon ein Kompressor und Dynamit eingesetzt, vor dessen Einsatz war das Steinebrechen eine sehr schwere und mühsame Arbeit.
Dieser ehemalige Steinbruch stand Pate für die Namensfindung der direkt daneben verlaufenden Steinstraße.
Quarzsteinbruch am Strinzer Weg
Links vom Weg nach Strinz Trinitatis, unterhalb des Wasserreservoirs der Gemeinde befand sich ein Quarzsteinbruch. Hier wurden Steine gebrochen für den Wegebau rund um Strinz, für die Scheidertalstraße die 1903 erbaut wurde, den Strinzer Weg nach Strinz Trinitatis, den Steckenrother Weg, den Kuhweg und die Straße nach Niederlibbach. Neben vielen Fremdarbeitern, die im Wege- und Straßenbau arbeiteten, hatten auch die Bürger der Gemeinde Gelegenheit hierbei Geld zu verdienen und zwar durch den Transport mit dem Pferdefuhrwerk, durch Steine klopfen im Akkord nach cbm und durch Arbeiten im Bruch selbst. Dieser Bruch ist heute mit Erdaushub verfüllt, eingeebnet und bepflanzt.
Basaltsteinbruch am Hennethaler Weg
Es gab einen weiteren Basaltsteinbruch in Richtung Hennethal, oberhalb des alten Hennethaler Wegs, am Waldrand. Beim Abbau von Quarzsand für die wassergebundene Straßendecke hat man Basaltsteine entdeckt, die aber nur in geringer Menge nutzbar waren, wegen der tiefen Lage und dem schwierigen Transport durch die Wiesen zur Straße.
Entdeckt wurde der Steinbruch 1859 vom damaligen Pfarrer Demmer, der dort in seinen Freistunden selbst Basalt abbaute und der Gemeinde für die Überschüttung der Straßen verkaufte. Es handelte sich um dunklen Kugelbasalt. Später wurde der Bruch von Gustav Gräter weitergeführt, bis er in den 1890er Jahren zusammenrutschte.
Steinbruch auf Gebrüderstein
Ein weiterer Steinbruch befand sich auf Gebrüderstein, an der Eisenstraße. Hier wurden nur in geringem Umfang Steine aus dem Fels gebrochen, wahrscheinlich nur beim Ausbau der Straße nach Breithardt. Die Konturen des Steinbruchs sind noch sichtbar.
Steinbruch rechts des Steckenrödter Wegs
Dieser Bruch ist als “Steinbruch” unbedeutend, da diese Steine weder zum Mauern noch als “Gestück” für den Straßenunterbau geeignet waren.
Er ist jedoch erwähnenswert, da er das Material für den Unterbau des neuen Sportplatzes geliefert hatte. Dafür waren die unförmigen Felsbrocken bestens geeignet. Das Herausbrechen mit dem Bagger (Fa. Enders) war hier möglich. Am Transport auf das Sportplatzgelände haben sich viele
Bürger mit Traktoren und Wagen ehrenamtlich beteiligt, sowie auch beim Einbau mit Hacke und Schippe.
Der obere Teil der ausgebaggerten Mulde wurde von Jugendlichen (Jugendclub) gerne als Grillplatz genutzt. Der größte Teil ist längst von der Natur zurückerobert, durch Bewuchs mit Hecken und Sträuchern.
Überliefert von Helmut Hartwig
Steinbruch am Eichholz
Beim Steinbruch am Eichholz handelt es sich nur um einen kleinen Bruch, der wahrscheinlich nur beim Bau der Straße nach Niederlibbach genutzt wurde.
Steinbruch im Kohlwald
Auch der Steinbruch im Kohlwald ist recht klein. Dieser wurde wahrscheinlich nur beim Bau des Strinzer Weges genutzt.
Gemarkungs- und Wegenamen
Wer kennt Sie schon noch, die alten Gemarkungsnamen.
Wie auf der obigen Karte zu sehen ist, war in frühen Jahren die Gemarkung in viele Kleinstparzellen unterteilt. Um diese unterscheiden zu können, wurden diese mit Namen versehen. Nach vielen Flurzusammenlegungsmaßnahmen ist nicht mehr viel davon übriggeblieben.
Damit die alten Flur- und Gemarkungsnamen nicht in Vergessenheit geraten, habe ich sie aufgeführt. Die einzelnen Namen könnt Ihr euch über die obigen Reiter anschauen.
1741 \Acker/ Jn der Kleine Wies Lath (HStA, Abt. 360, StM Nr. 1., pag. 1 und pag. 72)
Wingert-Hostert
1719 / auf die wingerts hustert (HStA, Abt. 14. Akten Nr. 671 II., pag 79)
1741 \Acker/ Auf der Wingerts Hostert (HStA, Abt. 360, StM Nr. 1., pag. 18)
Wolf-Born
RECHTERHAND, LINKERHAND DES WOLFERBORN
1741 \Acker/ Auff Wolffers Born (HStA, Abt. 360, StM Nr. 1., pag. 37)
1741 \Acker/ Lincker Hand Wolfers Born (HStA, Abt. 360, StM Nr. 1., pag. 38)
In der Nähe des Sonnenhangs liegt ein kleines Wiesental. Es führt seit alter Zeit den Namen Wolfersborn. In diesem Gebiet entspringt ein kleines Bächlein, das als Welchbach in den Aubach mündet.
Früher pilgerten die Bewohner von Strinz-Trinitatis zum heiligen Grab des Ferrutius nach Bleidenstadt. Unterwegs machten sie an dieser Stelle eine Pause, um sich mit frischem Wasser zu erquicken. So erhielt wahrscheinlich diese Quelle den Namen Wolfersborn oder Wallfahrtsbrunnen. In späteren Jahren übertrug man den Namen auf das ganze Wiesental. Im Jahre 1907 baute die Gemeinde eine Wasserleitung. Die Quelle Wolfersborn wurde geschürft und dem Hochbehälter auf dem Kirchberg zugeführt.
(Siehe auch unter: Strinzer Brunnen)
Zehnt-Frei
ZEHNDE-FREI
Der Acker Zehntfrei trägt seinen Namen, da er der Überlieferung nach eine solch schlechte Qualität bot, dass eine Gräfin die an dem Acker vorbeiritt sagte: Dieser Acker ist so schlecht, von diesem will ich keinen Zehnten haben.
(Siehe auch unter: Der Zehnte ging ans Kloster)
Ziegenberg
AM ZIEGENBERG
1741 \Acker/ Am Ziegen Berg (HStA, Abt. 360, StM Nr. 1., pag. 8)
Wegenamen
Bleidenstadter Weg
Breithardter Weg
Eisenstrasse
Erster Kuhweg / Teufelspfad
Der erste Kuhweg ist der erste Waldweg rechts auf der Straße nach Hennethal. Er wurde der Überlieferung nach von den Bleidenstädter Mönchen "Teufelspfad" genannt, weil er zum "Teufelsberg" (dort huldigten die Bürger Ihren alten Göttern) führte.
(Siehe auch unter: Glaube unserer Vorfahren)
Hennethaler Weg
Hermannsweg
Hirtenpfad
Holzhäuser Pfad
Kämme Weg / Krumme Weg
Steckenröther Weg
Strinzer Weg
Schiefe Weg
Zweiter Kuhweg
Strinzer Laufbrunnen
In StM gab es einmal drei Laufbrunnen. Laufbrunnen nutzen den natürlichen Druck von bergabfließendem Wasser. Dabei wird das Wasser in Größerer Höhe gefasst und fließt durch eine Leitung entlang des natürlichen Geländegefälles bis zu Brunnen.
Der Wasserstrom ist beim Laufbrunnen stetig, eine mechanische Förderung unnötig. In vielen Fällen sind Laufbrunnen mit zuätzlichen Becken und Trögen versehen, die als Viehtränke, zum Wäsche- oder Gemüsewaschen dienen.
Laufbrunnen in der Pfalzstraße (heute Brunnenplatz)
In der Pfalzstraße gab es einmal einen alten Laufbrunnen, der heute am Brunnenplatz Schulstraße/Ecke Pfalzstraße steht.
Dieser denkmalgeschützte Brunnen aus Gußeisen wurde im Jahre 1888, vermutlich in der Michelbacher Hütte, hergestellt.
Der rechteckige Trog, der im Verhältnis zu anderen Laufbrunnen in der Region recht klein ausgefallen ist, besteht auf jeder Seite aus einem gerahmten Feld mit ornamentalen Reliefmedaillons. Auf der Schmalseite wird auf auf das Herstellungsjahr 1888 hingewiesen, auf der gegenüberliegenden Seite prangt ein Löwenkopf.
Der Laufbrunnen wurde im Jahre 2014 in der Michelbacher Hütte restauriert.
2 x Brunnenschacht in der PfalzstraßeDer restaurierte Brunnen am Brunnenplatz
Laufbrunnen in der Scheidertalstraße
In der Scheidertalstraße gabe es früher zwei Laufbrunnen, Einen in der Nähe der Bäckerei Bodenheimer und einen an der Ecke Pfalzstraße/Scheidertalstraße an der Gaststätte „Zum goldenen Löwen“
Der Laufbrunnen an der Gaststätte wurde durch ein neueres Exemplar ersetzt und läuft heute noch (Stand: 2020)
Die Brunnen in der ScheidertalstraßeNeuer Laufbrunnen an der „Gaststätte zum Golden Löwen“
Die Eisenstraße
Die Eisenstraße bildet die Grenze zu den Gemarkungen von Breithardt und Steckenroth. Eine Informationstafel der Gemeinde Hohenstein informiert an der Eisenstraße über deren Geschichte.
Nachfolgend ein Auszug aus der Infotafel:
Die Eisenstraße ist ein Teil eines mindestens eisenzeitlichen Fernweges von der Lahn bis Mainz. Zu dem Namen Eisenstraße ist zu bemerken, dass dieser nicht nur von der Michelbacher Hütte herrührt. Diese nahm erst im Jahre 1655 ihren Betrieb auf, während im Begang der Grenze der Herrschaft Idstein von Beuerbach bis Breithardt vom 07. bis 10. November 1653 bereits zweimal der Name Eisenstraße erwähnt wurde.
So ist vielmehr anzunhemen, dass er auf die Eisenfuhren von den zahlreichen Waldschmieden im Raume Hahnstätten und Burgschwalbach Richtung Mainz/Wiesbaden deutet.
Die Waldschmieden beherrschten technisch alle Zweige der Eisengewinnung, so wurde z. B. in kleinen Öfen, die mit Holzkohle befeuert wurden, Eisenerze geschmolzen und in Hammerschmieden weiterverarbeitet und die Erzeugnisse auf der von Norden Richtung Süden in Gräben gelegten und eingeebneten Eisenstrasse befördert.
Gleichzeitig diente diese stark befahrene und mit natürlicher Festigkeit versehene Weg auch den Einheimischen zum Transport von Feldprodukten und anderen Handelsgegenständen.
(nach Egon Eichhorn/Beuerbacher Marktbegang, Staatsarchiv Wiesbaden, 133, 295)
Im Jahre 1741 findet die Eisenstraße Erwähnung in einem Strinzer Gemarkungsnamen. Dieser lautet:
„Stöst an die Eißen Straaß“
(HStA, Abt. 360, StM Nr. 1., pag. 140)
Strinzer Zechen
Am 8. Oktober 1869 wird im Amtsblatt der Regierung in Wiesbaden bekanntgegeben, dass unter Beweisung der §§ 35 und 36 des Berggesetzes die Beleihungsurkunde für das Berkwerk „Berthazeche“ und „Zeche Fritz“ erteilt wurde.
Der Ausdruck Zeche bezeichnete ursprünglich den Zusammenschluss mehrerer Peronen zum Betreiben eines Berkwerks. Mit ihrer Einlage in die bergrechtliche Gewerkschaft bezahlten die Beteiligen die Zeche, was heute noch als umgangssprachlicher Ausdruck für das Bezahlen der Rechnung verwendet wird.
Die Schürfrechte für die beiden Zechen wurden dem Berginspektor Carl Ludwig Münster aus Limburg, zur Gewinnung von im Felde vorhandenen Eisenerzen, erteilt.
Die Berthazeche lag im Grenzbereich von StM, StT und Hennethal und hatte eine Fläche von 499.411 Quatratlachtern.
Die Zeche Fritz lag im Grenzbereich von StM und Hennethal und hatte eine Fläche von 499.500 Quatratlachtern. Auch dort wurde Eisenerz gefördert.
Das (auch der oder die) Lachter war ein im Bergbau übliches Längenmaß, mit dem meiste Teufen, der Stollenvortrieb und die Größe von Grubenfeldern, auch Gedinge bestimmt wurden, In den meisten deutschsprachigen Bergrevieren war es das wichtigste Längenmaß. In dem damaligen Preußen betrug ein Lachter 2,092 Meter.
(Amtsblatt der Regierung in Wiesbaden, Nr. 57, 11. November 1869, Seite 373 / Wikipedia / HStA Wdn / Abt. 469/31 Nr. 1793-1816)
Neben den Zechen Bertha und Fritz gab es eine weitere Zeche. Die Zeche „Glücksfund 1“. Diese lag auf dem Gebiet von StM und Steckenroth.
(HStA Wdn / Abtr. 469/31 Nr. 1793-1816)
Am 31. August 1872 wird der Union Aktiengesellschaft für Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie zu Dortmund unter dem Namen „Dortmund“ das Bergwerkseigentum der Gemeinden Orlen, Hambach, Wingsbach und StM, welches einen Flächenanteil von 2.187.000 qm hat, zur Gewinnung der im Felde gewonnenen Eisenerze, verliehen.
(Amtsblatt der Regierung in Wiesbaden / 1873)
Bergbau in noch älterer Zeit?
In dem Buch „Schriften der Berlinischen Gesellschaft Naturforschender Freunde“, Band 1 aus dem Jahre 1740 gibt es einen Hinweis auf Bergbau in unserer Region aus noch früherer Zeit.
Dort heißt es:
Bey Strinz im Idsteinischen muss der Bergbau ehemals ganz beträchtlich gewesen seyn, wie man aus den vielen alten Halden deutlich abnehmen kann.