Anno 1863
In einer Zeitschrift zur Nassauer Kunst- und Gewerbeausstellung in Wiesbaden im Jahre 1863 werden nachfolgende Gewerbe in StM aufgeführt:
2 Leinenweber / 1 Mahlmeister / 1 Brandweinbrenner / 2 Kaufleute / 2 herumziehende Kramer / 2 Wirte / 1 Zimmermann / 1 Wagner / 2 Schmiede / 1 Schuhmacher / 1 Sattler / 1 Schneider / 2 Schreiner
Alles Berufe, die es heute so hier in StM nicht mehr gibt. Erstaunlich ist, dass das Hauptgewerbe der Strinzer, die Landwirtschaft, nicht aufgeführt ist.
Weitere Berufszweige
Über die Jahre hinweg, sind weitere Berufe hier in StM bekannt, die es auch in 1863 noch nicht oder nicht mehr gab.
Hierzu zählen z.B.: Bäcker / Köhler / Imker / Kuhhirte / Schäfer
Anno 1969
Im Kerbespruch von 1969 sind einige Anzeigen aufgeführt, die auf die damaligen Gewerbebetriebe in StM hinweist. Es sind:
Fuhrbetrieb Adolf Klein / Auto-Transporte, Bagger - und Raupenbetrieb W. M. Enders / Installation, Spenglerei, Heizungsbau Josef Warzelhahn / Gasthaus zum Scheidertal, Karl Weber / Auto-Transporte aller Art, Albert Schneider / Damen-Herren-Friseursalon, H. Christmann / Landmaschinenhandel, Hufbeschlag, Wagenbau, Schmiedmeister, Karl Rücker / Tüncher- und Ansteichergeschäft, Kurt Mager / Tüncher- und Anstreichermeister, Willi Hankammer / Kornbrennerei - Gastwirtschaft, Enst und Dieter Schneider / Schmiedmeister, Fahrzeugbau, Reparaturen Willi Klein / Textilwaren, Kurzwaren, Otto Hankammer / Ihr UNION Kaufmann, Paula Wahl / Getränkevertrieb, Günter Jacob / Saalbau, Gastwirtschaft, Adolf Klein / Raiffeisenkasse e.G.m.b.H., Kredit- und Warengenossenschaft
Ich werde nachfolgen über einzelnen Berufszweige berichten.
Bäcker
Bei dem Bäckerhandwerk handelt es sich um ein schon sehr altes Handwerk.
Da die Strinzer früher ihr Brot gemeinschaftlich im Backhaus backten, finden wir den Beruf des Bäckers in unserem Ort erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts.
Das Handwerk des Bäckers teilte sich früher noch in
- Zuckerbäcker (Konditor)
- Pfefferkuchenbäcker (Lebkuchen)
- Los- oder Weißbäcker (Weizenbrot, Brötchen etc.)
- Fast- oder Schwarzbäcker (Roggenbrot)
Diese Unterscheidungen wurden als erstes in Preußen 1752 aufgehoben, da sie zu ständigen Reibereien, auch zum Nachteil der Kundschaft führte. Der Bäckerberuf gehörte zu den freien, geschenkten und ungeschlossenen Handwerken. Die Befugnis eines Meisters, zu backen, hieß die (Back-) Gerechtigkeit oder auch die Bank. Bereits im römischen Recht wurden die Bäcker zu eigenen Korporationen vereinigt und im Mittelalter wurde durch Erteilung von Privilegien die Bildung von Bäckerinnungen vorangetrieben. Ihren Rechten entsprachen jedoch bestimmte Pflichten. So sollten die Bäcker durch die Bereitstellung ständig vorhandener Mehlvorräte allgemeinen Notständen vorbeugen helfen.
Der Beruf des Bäckers war für die Ernährung der Bevölkerung so wichtig, dass ein Bäcker in der Regel auch nicht zum Kriegsdienst eingezogen wurde.
So heißt es in der alten Strinzer Chronik:
23. Februar 1915 - Weitere Musterungen älterer Jahrgänge. Von StM wird alles gezogen nur der Bäcker Hermann Bodenheimer wird seines Berufes wegen freigegeben.
Im 2. Weltkrieg ruhte dagegen der Backbetrieb der Bäckerei Bodenheimer.
Nach dem 2. Weltkrieg nahm die Bäckerei Bodenheimer den Backbetrieb wieder auf, verbunden mit einem Lebensmittelgeschäft. Der Aufwand, eigenes Brot zu Backen wurde dadurch zu hoch und der Backesbetrieb wurde eingestellt.
Bäckerei Bodenheimer

Die meisten Familien hatten ein sogenanntes Brotbuch, in dem gegen die Lieferung von einem Zentner Korn (Roggen) 32 Brote gutgeschrieben wurden. Bei jeder Abholung verminderte sich der Bestand entsprechen. Eine große Familie lieferte ca. 8 - 10 Zentner Korn. Sie hatte damit genügend Brotgutschrift für das ganze Jahr. Wer mit seiner Brotgutschrift nicht auskam, konnte auch einen Vorschuss erhalten, er hatte damit dann "vorgegessenes Brot".
Brotbuch

Sein Brot konnte man später auch bei der Wehener Walzenmühle und Brotfabrik beziehen, die bei Adolf Seel eine Ausgabestelle in der Kriegs- und Nachkriegszeit unterhielt.
Brotauto
In den 50er Jahren wurden die Dörfer mit dem "Brotauto", einem umgebauten LKW, von der Wehener Walzenmühle und Brotfabrik (Herdlingbrot genannt) angefahren, wo man sein Brot erwerben konnte.
Nachdem es heute in StM keine Bäckerei mehr gibt, erlebte das "Brotauto" eine Renaissance. Es hält täglich in den Morgenstunden bei der Gastwirtschaft Schneider, neben der Stelle, an der früher das Backhaus stand.
Brandweinbrenner
Branntweinbrenner brauten Branntwein für die Bauern, die das Korn dafür lieferten. Aber auch Kartoffeln sind zu Brandwein verarbeitet worden.
Quelle: Wikipedia
So kann man sich auch eine Strinzer Weinbrandbrennerei vorstellen. Das hier gezeigte Bild stammt aus 1855.
Hirte
Im Ort gab es eigene Hirten, die sich um die Tiere des Dorfes kümmerten. Schon im Jahre 1499 ist in einem Idsteiner Steuerregister ein Kuhhirte (der Koewehyrt) erwähnt.

Den Hirten stand ein eigenes Haus zur Verfügung, das Hirtenhaus, welches in der Scheidertalstraße gegenüber dem Hirtenpfad stand. Es ist heute nicht mehr vorhanden, und wurde durch einen Neubau ersetzt.
Obiges Bild habe ich aus einer Ortsansicht aus den 30er Jahren herausgeschnitten.
Schäfer Wilhelm Hankammer
Schäfer Hankammer im Jahre 1947

Wilhelm Ludwig Hankammer war einer der letzten Schäfermeister in Hessen.
Er erblickte am 7. Juni 1891 das Licht der Welt. Schon anfangs der 1920er Jahre hat er die Meisterprüfung vor der Landwirtschaftskammer mit Erfolg abgelegt.
Vom Landesverband der Schafszüchter in Hessen-Nassau wurde er 1950 für 25jährige erfolgreiche Tätigkeit auf dem Gebiet der Schafszucht besonders ausgezeichnet.
1953 erlitt er einen Schlaganfall, der ihn nicht nur vorübergehend lähmte, sondern für einige Zeit auch seiner Sprache beraubte. Doch davon erholte sich Hankammer gut, sodass nichts davon zurückgeblieben ist.
Noch vor seinem Tot war Hankammer draußen auf dem Feld. Weil er keine Schafe mehr zu hüten hatte, übernahm er es, Straßen und Plätze in der Gemeinde sauber zu halten.
Mit seiner treuen Gattin, mit der er im Jahre 1964 goldene Hochzeit feiern konnte, zeugte er drei Töchter, die ihm wiederum elf Enkel und neun Urenkel bescherten.
Hankammer verstarb am 26.12.1966 im Alter von 75 Jahren.
Quelle: zeitgenössischer Zeitungsausschnitt (Verlag nicht bekannt)Der Beruf des Schäfers und die Schafhaltung in Strinz Margarehä
Die Schafhaltung in den Zeiten vor und nach dem 2. Weltkrieg war sehr angepasst an die Bedürfnisse der Landbevölkerung, zeitweise aber auch an die staatliche Förderung und entsprechende Vorgaben.
Aus dem Jahr 1935 sind hierzu statistische Daten darüber bekannt, eine allgemeine Statistik, aufgrund von Daten die für die Neuausrichtung der landwirtschaftlichen Betriebe und der Produktion (Reichsnährstand) im dritten Reich erhoben wurden:
- Das Dorf hatte 353 Einwohner, davon waren 46 Schüler.
- landwirtschaftliche Betriebe 54
- davon Erbhöfe 10
- Viehbestand:
- Pferde 40
- Rinder 385
- Schweine 469
- Ziegen 52
- Hühner 1.529
- Truthühner 8
- Bienenstöcke 47
- Obstbäume 2.000
In diesen Erhebungen sind Schafe nicht erwähnt, demnach gab es in Strinz Margarethä keine.
- Die Anbauflächen in der Gemarkung, ohne Wiesen in Hektar:
- Roggen 85 (25,0 %)
- Weizen 28 ( 8,9%)
- Gerste 4 ( 2,1%)
- (deutscher Rotklee) 31 ( 9,3%)
- Hafer 98 (28,8%)
- Kartoffeln 53 (15,5%)
- Futterrüben 26 ( 7,6%)
- Kohlrüben 10 ( 2,7%)
- Gemüse 2 ( 0,7%)
Erst nach dieser Erhebung wurde die geregelte Schafzucht eingeführt, mit der Gründung einer „Schafgemeinde“ (Schoofgemoa genannt) und der Anstellung eines Schäfers.
Fast alle landwirtschaftlichen Betriebe haben sich an der Schafhaltung mit der Haltung einer kleinen Anzahl beteiligt, auch wegen der Wolle, die man in der Familie selbst verarbeitet hat.
Die Aufgabe eines Schäfers bestand nun darin, die Schafe während der Vegetationszeit auf die Weide zu führen und zu betreuen. Dazu mussten sie nach der Stallhaltung im Winter im Dorf gesammelt werden, um sie Hinauszuführen in die Gemarkung.
Die Schafhalter hatten meist zwischen zwei und sechs Tiere für die man nur die Stalltüre aufmachen musste, wenn der Schäfer durchs Dorf zog, sie haben sich einfach der Herde angeschlossen, ebenso sind sie am Abend, wenn es zurückging, selbständig wieder in ihren Stall gelaufen. Es kam nur selten vor, dass der Schäfer dabei helfen musste oder ein Schaf sich verirrte.
Wo aber sollte der Schäfer die ca. 200 bis 250 Schafe zum Weiden hinführen, eine dafür bestimmte „Weide“ gab es gar nicht und alle Felder in der Gemarkung waren bis auf den letzten Quadratmeter mit Feldfrüchten bestellt, siehe oben. Sogar die mit Gras bewachsenen Feldwege wurden von der Gemeindeverwaltung zur Nutzung durch die Bauern meistbietend versteigert. Wo nun sollte denn der Schäfer mit den ihm anbefohlenen Schafen zum „satt fressen“ hin. Das war eben die „Kunst“ des Schäfers, die wenigen nicht genutzten, nicht anderweitig nutzbaren Flächen zu kennen und je nach Bewuchs und Jahreszeit die Herde dort hinzuführen.
Das waren größere Ödlandflächen, sogenannte Hutungen, Wüsteneien, die Waldränder und Böschungen an den Feldwegen.
Der erste grüne Aufwuchs im Frühjahr war natürlich auf der Sonnenseite der Gemarkung, auf dem Krummewegerfeld, die Wüsteneien auf dem Altenberg, auf dem Kirchberg, bei Lauferswies, in den Drischern, auf Harebach, auf Brüderstein, am Teufelsberg, in Rembach, auf der Maßholder, Roedersboden, im Kessel, und am Ziegenberg, sowie rund um die Feldgemarkung sämtliche Waldränder.
Nur zu bestimmten, eng bemessenen Zeiten, durfte er über die Wiesen ziehen, die vom Eigentümer nicht mit einem Strohwisch gekennzeichnet waren. Einen wahren Überfluss im Futterangebot gab es nach der Getreideernte, hier insbesondere die Rotkleeuntersaat nach dem Abernten des Hafers, immerhin 31 Hektar, nach der obigen Statistik. Bei üppigem Aufwuchs der Rotkleeuntersaat war es erwünscht, sogar nötig, dass sie abgeweidet wurde, um den sogenannten „Schneeschimmelschaden“ zu vermeiden, der unter einer langandauernden Schneedecke, das gab es damals noch, entstehen konnte und den jungen Klee vernichtete.
Wer die Beweidung ablehnte und den starken Aufwuchs selbst verfüttern wollte, musste das mit einem darauf gesteckten Strohwisch kennzeichnen. Auch nach der Grummeternte konnte der Schäfer die nicht gekennzeichneten Wiesen beweiden. Es war eine Herausforderung den Mangel im Frühjahr und die Zeiten des Überflusses mit Gespür und Sachverstand zu verwalten, das machte einen guten Schäfer aus.
Darüber hinaus war er vor Allem für die Gesunderhaltung der Tiere zuständig, d.h. neben einer guten Futterversorgung, die Hufpflege, den Schutz vor Ungeziefer, die Schafschur mit dem vorausgehenden „Waschen“ im Aubach unterhalb der „Schafbrücke“ an der Kreuzung der Scheidertalstraße Niederlibbach/Wingsbach, meist verbunden mit einer Desinfektion zum Schutzvor der Hufkrankheit und vor Ungeziefer.
Nach dem Abernten der Getreidefelder hatte der Schäfereine weitere Herausforderung zu bestehen, das war die Düngung der Felder durch die Schafherde. Dazu wurde auf dem zu düngenden Feld mit festen Hürden ein etwa quadratischer Pferch aufgestellt, in den die Herde über Nacht getrieben wurde, das reichte für eine gute Düngung. Für die nächste Nacht wurde der Pferch weitergeschlagen, bis das ganze Feld gedüngt war. Diese Dienstleistung war unter den Bauern sehr begehrt, wegen dem guten Dung, aber auch wegen der ersparten Arbeit, die er mit einer Düngung, etwa mit Stallmist, hätte aufwenden müssen. Wer davon Gebrauch machen wollte, musste bei der „Versteigerung des Schoofparschs“ ein gutes Angebot abgeben, denn nur die Meistbietenden kamen in den Genuss dieser „Dienstleistung“.
Für die „Schoofgemoa“, die den Schäfer zu entlohnen hatte, war das eine gute Einnahmequelle. Wer den Pferch ersteigert hatte, der musste für den Transport der Hürden und der Schäferhütte sorgen. Der Bedarf war in der Regel so groß, dass die Schafe bis zum Ende der Vegetationsperiodedraußen waren.
Über den Winter hat jeder seine Schafe wieder zu Hause im Stall versorgt und bis zum beginnenden Frühling war damit der Jahreszyklus des Schafe Hütens abgeschlossen. Zu den erweiterten Aufgaben des Schäfers gehörte die Haltung eines guten Schafbocks und guter Hütehunde. Nur mit zwei Hütehunden konnte er die Herde in Schach halten, um zu vermeiden, dass die mit Feldfrüchten bestellten Äcker abgegrast wurden, was dennoch ab und an vorkam und zu großem Zwist führte. Selbst bei kleinen Schäden kam es mitunter zu „großem Trara“ und der Schäfer brauchte ein „dickes Fell“, um die Beschimpfungen aushalten zu können, er war immer schuld, wenn so etwas mal vorkam, insbesondere dann, wenn der Betroffene selbst keine Schafe hatte.
Mit dem Beginn der fünfziger Jahre ging die Schafhaltung rapide zurück nachdem der Schäfer aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Die „Schoofgemoa“ wurde aufgelöst und die Schafhaltung wurde nur noch von wenigen Bauern weitergeführt.
Der Schäfer hatte indes in seiner Dienstzeit gute und wertvolle Arbeit geleistet, die nicht ausreichend wertgeschätzt wurde. Gerade in den Jahren des Mangels waren seine Dienste von unschätzbarem Wert, die er durch die Gesunderhaltung der Herde und den Zusammenhalt in der „Schoofgemoa“ erbracht hat.
Die Gemeinde Strinz Margarethae hatte einen guten Schäfer!
In den statistischen Aufzeichnungen ist der Rückgang von 1949 bis 1960 eindrucksvoll dargestellt:
Die Anzahl der Schafe betrug
1949 216 1955 9 1950 168 1956 9 1951 165 1957 16 1952 107 1958 2 1953 67 1959 34 1954 10 1960 29
Der allgemeine Strukturwandel in der Landwirtschaft, der Verfall der Preise für Wolle und Fleisch sowie der hohe Arbeitsaufwand hat zu dem starken Rückgang der Schafhaltung geführt.
Sept. 2017, Helmut Hartwig
Kramer
Im frühen 20. Jahrhundert wird der Beruf des Krämers wie folgt beschrieben: „Kramer (=Krämer) sind Minderkaufleute im Sinne des Handelsrechts. Der Kleinhändler heißt auch Krämer, seine Tätigkeit „Kramhandel“.

Im Jahre 1863 gab es in StM keine sesshaften Kramer, sondern 2 herumziehende Kramer.
Wie in den kleinen Orten üblich gab es aber auch früher in StM einen Kramerladen oder auch Kolonialwarenhandel. Ein Kramerladen war bis nach dem 2. Weltkrieg in dem Haus von Diefenbachs in der Scheidertalstraße untergebracht.
Köhler
Der Kohlwald am Strinzer Weg
In der Strinzer Gemarkung gibt es einen Wald mit dem Namen Kohlwald. Dies weist darauf hin, dass dort früher einmal ein Kohlenmeiler stand.

Köhler bezeichnet einen in Deutschland nahezu ausgestorbenen Beruf, dessen Aufgabe es ist, aus Holz Holzkohle herzustellen. Der zugehörige Handwerksbetrieb nennt sich Köhlerei.
Den ältesten Hinweis auf Köhlereien oder Kohlemeiler in unserer Region erhalten wir aus dem Jahre 1727.
Am Freitag, dem 18. Juli 1727, beschweren sich die Abgesandten aus Ehrenbach, Görsroth, StM und Bechtheim bei der Verwaltung in Idstein, daß sie in der vergangenen Woche 5 Tage bei Hahn auf der Jagd liegen mussten. Sie konnten deswegen kein Heu machen und kein Korn schneiden. Doch nicht nur mit ihrer eigenen Feldarbeit blieben sie gewaltig zurück, auch die Frondefahrten, zu denen sie ebenfalls verpflichtet sind, blieben ungetan. Sie hätten Hafer nach Biebrich und
(Holz-)Kohle zu einer (Eisen-)Schmelze fahren müssen. Da wegen der unterlassenen Zulieferung ein Ofen ausgegangen war, sprach nun die zuständige Rentkammer von Bestrafung.
Bereits im Altertum wurde Holzkohle in Meilern hergestellt. Hierbei werden Holzscheite in kegelförmige Haufen (Meiler) um Pfähle gesetzt, ein mit Reisig und Spänen gefüllter Feuerschacht angelegt und eine luftdichte Decke aus Gras, Moos und Erde geschaffen.
Köhler bei der Arbeit (Wikipedia/WFM)

Im Feuerschacht wird der Meiler entzündet, sodass bei einer Temperatur zwischen 300 und 350 °C der Verkohlungsprozess einsetzt. Der Prozess dauert sechs bis acht Tage – bei großen Meilern auch mehrere Wochen, während der Köhler darauf achten muss, durch Regelung des Windzugs (durch Aufstechen und Wiederverschließen von kleinen Löchern) den Meiler weder erlöschen noch in hellen Flammen aufgehen zu lassen. Am aus dem Meiler austretenden Rauch konnte der Köhler den Status des Verkohlungsprozesses erkennen. War der Rauch dick und grau, war das Holz noch roh; dünner, blauer Rauch zeigte eine gute Verkohlung an.
In früheren Zeiten führten Köhler ein karges, einsames Leben. Sie lebten stets in der Nähe des Meilers in einer Köhlerhütte (Köte).
Noch heute ist der Boden im Kohlwald, dort wo die oder der Kohlemeiler stand, dunkler als im restlichen Wald. Diese dunkle Färbung rührt vom Holzkohlestaub der erzeugten Holzkohle.
Quelle: Wikipedia / Red.Landmann
Wenn es hier in StM einen Berufszweig gab, der die Stütze des Dorfes war, so ist das der Beruf des Landmanns oder Bauers.
Hier will ich nach und nach etwas aus der Geschichte der Landleute erzählen.

Leineweber
Leineweber oder Leinweber ist die historische Berufsbezeichnung für Weber von Leinen, d. h. von − häufig im bäuerlichen Nebenberuf − auf Handwebstühlen in Leinwandbindung hergestelltem Gewebe, das ganz oder zu erheblichem Teil aus Leinengarn, d. h. mit aus Flachsfasern gesponnenem Garn, besteht.

Der Webstuhl ermöglichte dem Weber, Stoffe von hoher Qualität zu produzieren. Im Jahre 1863 gab es in StM sogar 2 Leinenweber.
Allerdings brachten die mechanischen Webstühle und die Industrialisierung das Ende dieses früher sehr verbreiteten Handwerks. Dieser Umbruch brachte viele Weber um ihre Existenz. Und so waren die Weber mit einer der ersten Berufsstände, die die negativen Folgen der Industrialisierung am eigenen Leib erfahren mussten.
Quelle: Wikipedia / Red.Mühlmeister
Das Berufsbild des Mühlmeisters ist mit dem des Müllers identisch.
Als Müller wird der Handwerksberuf bezeichnet, dem die Herstellung von Mehl oder Gewürzen, Pflanzenöl oder auch Futtermitteln obliegt.
In Strinz gibt es die Zinkenmühle, deren Geschichte in dieser Chronik unter „Die Zinkenmühle“ erzählt wird.
Die Zinkenmühle

Im Mittelalter konnte nicht jeder einfach eine Mühle gründen. Es gab in der Regel einen Mühlenbann, das bedeutet, dass es Mühlen gab, die quasi ein Monopol auf ihre Tätigkeit hatten. So auch für unsere Region. Für die nassauischen Eigenleute (Leibeigenen) galt bis 1514 der Adolfsecker Mühlenbann. Bisher dahin waren Strinzer Bürger gezwungen ihr Getreide in der Adolfsecker Mühle malen zu lassen.
Nach Aufhebung des Mühlenbanns wurde in StM eine Mühle erbaut.
Schmied
So könnte die alte Strinzer Dorfschmiede ausgesehen haben.
Schuhmacher
Schuhmacher Karl Ernst

Der Wagner ist ein Handwerker, der Räder, Wagen und andere landwirtschaftliche Geräte aus Holz herstellte. So war es wichtig, dass es in unserem landwirtschaftlich geprägten Ort einen Wagner gab, denn ging in der Landwirtschaft ein Gerät kaputt, konnte es schnellstmöglich wieder repariert werden.
Seit der Einführung industrieller Fließbandfertigung sank die Bedeutung der Wagnerei.
Quelle: Wikipedia / Red
Zimmermann
In frühen Zeiten war nahezu jeder Hausbesitzer auch ein Zimmermann, da er sich sein Haus meist selbst zimmern musste. Als sich später die Berufe mehr und mehr spezialisierten, wurde auch der Zimmererberuf eigenständig.

Durch die Herausbildung von Zünften und der damit einhergehenden Qualitätssicherung von besonders wichtigen Arbeitstechniken (Dachausmittlung, Schiftung oder Vergatterung) im Mittelalter wurde der Zimmermann unentbehrlich.
Quelle: WikipediaIn der Gemarkung gefundene
Zimmerernägel

Ehemalige Zimmerei May


